Geldern, 5.4.2011: Rund 20 Lehrerinnen und Lehrer aus dem Kreis Kleve waren in der Haus Freudenberg GmbH in Geldern zu Gast und konnten sich von der ambitionierten Arbeit in den Werkstätten für behinderte Menschen staunend überzeugend. Die Erkundung der Einrichtung gehört zum Programm des von der Unternehmerschaft Niederrhein initiierten und betreuten Arbeitskreises SCHULEWIRTSCHAFT. Engagierte Lehrerinnen und Lehrer aus der Region sind eingeladen, Betriebe kennen zu lernen und Informationen über Ausbildungsmöglichkeiten für ihre Schülerinnen und Schüler zu erhalten.
In der Haus Freudenberg GmbH, Zweigniederlassung Geldern, arbeiten zurzeit rund 280, in allen Niederlassungen der Einrichtung insgesamt 1700 behinderte Menschen. Sie werden von pädagogisch und handwerklich ausgebildeten Fachkräften betreut, angeleitet und versorgt. Morgens um 8:00 Uhr werden die behinderten Mitarbeiter in Bussen und Sammeltaxis zur Stauffenbergstraße nach Geldern gebracht. Dann schwärmen sie aus. Jeder hat eine besondere Aufgabe. Sie arbeiten entweder in der Schreinerei, in der Küche, in der Verpackung, im Lager oder im Kreativ-/Hauswirtschaftsbereich. In erster Linie sind kleinere, immer wiederkehrende Arbeitsabläufe zu bewerkstelligen. Um Arbeitsunfälle zu vermeiden, werden die Maschinen und angemessene Schutzvorrichtungen von den Betreuern eingerichtet.
Die Mitarbeiter freuen sich immer über Besuch und erzählen gerne von ihren Aufgaben. Anne aus dem hauswirtschaftlichen Bereich berichtet stolz, dass sie für die Versorgung der Besuchergruppe heute Kaffee und Kaltgetränke vorbereitet hat. Da sie so selbstständig arbeitet, darf sie demnächst zu einem Praktikum in eine andere Einrichtung des Haus Freudenberg nach Baersdonk, um hier im Empfang des Gartenbaubereiches mitzuarbeiten.
Nebenan in der Schreinerei zeigt Siegmund wie souverän er mit einer mit Druckluft betriebenen Nagelpistole umgehen kann und Torsten bedient eigenständig die große Kreissäge. Die beiden produzieren Paletten, die Unternehmen aus der Region und den Niederlanden in Auftrag gegeben haben.
In der Verpackung werden Displays mit Süßigkeiten für Supermärkte in Großbritannien bestückt und Rotkohl für den US-amerikanischen Markt etikettiert. All diese Arbeiten erledigen die Menschen in der Haus Freudenberg GmbH mit Spass und größter Sorgfalt. Dass sie dafür einen angemessenen Lohn erhalten, versteht sich natürlich. Die Selbstständigkeit, die sie durch die Arbeit in den Werkstätten erhalten, ist nicht hoch genug zu bewerten. Sie alle haben eine Aufgabe, treffen täglich Kollegen, Freundschaften werden hier geknüpft und das Leben erhält eine Struktur. „Wir sind froh und stolz, dass wir so viele interessierte Firmen in der Region haben, dass wir eigentlich immer genügend Aufträge für unsere Leute haben“ so Andreas Dietzsch, der die Lehrkräfte zusammen mit seiner Kollegin Petra Potthoff durch die Werkstätten führt.
„Die Qualität unserer Arbeit ist uns sehr wichtig. Die Beschäftigten nehmen ihre Aufgabe sehr ernst und wollen gute Arbeitsleistungen erbringen“, so Petra Potthoff. Auch schwerst- und mehrfach behinderte Menschen finden in der Haus Freudenberg GmbH eine Aufgabe und sind nicht selten bis zum Erreichen der Altersgrenze von 65 Jahren hier beschäftigt. Viele der älteren Mitarbeiter werden schon einige Jahre vor der Altersgrenze im VaRiA-Bereich (Vorbereitung auf Ruhestand im Arbeitsleben) auf die Zeit nach der aktiven Berufstätigkeit vorbereitet.
Die Lehrerinnen und Lehrer aus dem Arbeitskreis waren sichtlich beeindruckt und stellten viele interessierte Fragen. Die Einrichtung ist auch für ihre Schülerinnen und Schüler interessant, die z.B. ein Jahrespraktikum, Anerkennungsjahr oder ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren wollen. „Ab Herbst 2011 können wir wegen des Wegfalls der Wehrpflicht keine Zivildienstleistenden mehr erwarten. Das stellt uns vor neue Herausforderungen und insofern sind wir für ehrenamtliche Mitarbeiter oder Praktikanten jederzeit offen“ so Andreas Dietzsch.
Bildzeile:
Bild 1: Lehrer aus der Region in der Haus Freudenberg GmbH (links: Petra Potthoff und Andreas Dietzsch vom Haus Freudenberg


