Entlastungspaket III zu vage für Wirtschaft und Industrie

Sie sieht im Tarifabschluss für die Chemie- und Pharmaindustrie das Resultat einer gelebten Tarifpartnerschaft: Kirsten Wittke-Lemm, Hauptgeschäftsführerin der Unternehmerschaft Chemie Niederrhein ist froh, dass Arbeitgeber und Gewerkschaft in der Krise an einem Strang ziehen.

Die Unternehmerschaft Niederrhein sieht im vorgestellten Entlastungspaket III der Bundesregierung noch Optimierungsbedarf. Während es viele wichtige und richtige Hilfen für die Bürgerinnen und Bürger beinhaltet, sei es für Wirtschaft und Industrie in der Region viel zu vage gehalten und damit unzureichend. Hier bedarf es noch weiterführender Unterstützungsmaßnahmen für die Betriebe, um die Produktion auch am Standort Niederrhein aufrechterhalten zu können. „Die Kostenbelastung für die Betriebe ist massiv. So massiv, dass schon kurzfristig Produktionskürzungen und im weiteren Verlauf auch Schließungen nicht ausgeschlossen werden können“, so Hauptgeschäftsführerin Kirsten Wittke-Lemm.

Der Geschäftsführer der CHEFS CULINAR WEST GmbH & Co. KG in Weeze, Dr. Christian Moll, ist sich sicher, dass die großen Herausforderungen unserer Zeit nur mit starken und wettbewerbsfähigen Unternehmen zu meistern sind. „Dazu braucht es jedoch Versorgungssicherheit und eine Wiederbelebung funktionierender Wettbewerbs- und Marktmechanismen in den Energiemärkten. Es kann nicht sein, dass die teuerste produzierte Kilowattstunde den gesamten Strompreis dominiert.“ Um die Inflation zu dämpfen, fordert er die Bundesregierung auf, wieder verlässliche Kalkulationen und Wettbewerb möglich zu machen. Zudem muss Rücksicht auf eine Stützung der Konjunktur genommen werden. „Alle Kostensteigerungen diesen Ausmaßes werden letztlich in den Kalkulationen umgelegt werden müssen und belasten damit mittelbar Endkunden und Sozialkassen.“

Auch Dominik Baum, Geschäftsführer der C. Thywissen GmbH in Neuss wünscht sich, dass Hilfsmaßnahmen künftig nicht weiter an den tatsächlichen Problemen der Unternehmen vorbeigehen. Dies sei aktuell aber der Fall. „Dass Kreditangebote für notleidende Betriebe ausgeweitet werden, ist ja schön und gut. Aber die entscheidende Frage ist doch, wie mittelständische Unternehmen ihre Produktion aufrechterhalten sollen, wenn die Energiekosten durch die Energiekrise weiterhin so unvorhersehbar explodieren.“

„Das Entlastungspaket ist kein Entlastungspaket für die Industrie“, kritisiert Dr. Georg Geier, Geschäftsführer der Siempelkamp Giesserei GmbH in Krefeld. „Schließlich befinden wir uns mitten in der Transformation mit extrem ambitionierten Zielen. Da brauchen wir jegliche Fertigungskapazität, die uns in Deutschland zur Verfügung steht.“
Diese jetzt zu gefährden, sei der völlig falsche und nur kurzfristig - von der Energieeinsparung her - erfolgversprechende Ansatz. „Am langen Ende kosten Produktionskürzungen und Schließungen die mittelständische Industrie am Niederrhein schlicht und ergreifend Arbeitsplätze“, so Geier weiter. Im besten Fall lasse sich dies noch mit Kurzarbeit abfedern. „Diese bringt jedoch Gehaltseinbußen bei einer Rekord-Inflation mit sich. Dagegen sind die geplanten Transferleistungen gerade mal ein Tropfen auf den heißen Stein!“

Die Bundesregierung muss daher dringend nachlegen, fordert die Unternehmerschaft Niederrhein. Nur so lassen sich industrielle Wertschöpfungsketten und strategische Wettbewerbsvorteile der Region erhalten.