Vor Auftakt der dritten M+E‑Tarifrunde: Unternehmen erleben extrem angespannte Wirtschaftslage

Dr. Geoffery Weisner, Vorsitzender der Unternehmerschaft Metall- und Elektroindustrie Niederrhein

Vor dem Start der dritten Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie NRW macht die Unternehmerschaft Metall- und Elektroindustrie Niederrhein auf die angespannte Wirtschaftslage der Unternehmen in der Region aufmerksam. Zwar sei die Auftragslage in manchen Unternehmen trotz Corona, Lieferengpässen und explodierender Preise immer noch recht ordentlich. Die überwiegende Zahl der Betriebe erlebe aber, dass die Erträge – trotz gefüllter Auftragsbücher – in diesem Jahr zurückgehen.

„Teilweise können Aufträge nicht mehr kostendeckend erfüllt werden“, erläutert der Vorsitzende der Unternehmerschaft Metall- und Elektroindustrie Niederrhein, Dr. Geoffery Weisner. „Energie, Vorprodukte und Material haben sich in einem Ausmaß verteuert, das Unternehmen nicht in Form von Preiserhöhungen an ihre Kunden weitergeben können. Daher stellt sich so manches Unternehmen die Frage, ob sich Produktion am Standort Deutschland und NRW in diesem Umfeld noch lohnt.“ Umso wichtiger sei es, im Rahmen der Tarifrunde kluge Antworten auf diese heterogene Lage zu finden. Weisner wünscht sich einen Abschluss, der Differenzierungen ermöglicht und die Unternehmen nicht überfordert. „Damit Industrie und Produktion am Niederrhein ohne den Verlust von Arbeitsplätzen erhalten bleiben können.“

Zudem befinde sich die M+E-Industrie inmitten eines tiefgreifenden Transformationsprozesses. Angesichts der geforderten acht Prozent mehr Lohn stehe zu befürchten, dass das Geld, das die Branche in neue Produkte, neue Prozesse und Geschäftsmodelle investieren will, nun fehlen könnte. „Zwei von drei Betrieben müssen aufgrund der extremen Kostensteigerungen schon jetzt Investitionen einschränken oder verschieben, auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stehen unter enormen Druck. Das aber sind genau jene Investitionen, die unsere Industrie braucht, um langfristig wettbewerbsfähig und damit zukunftsfähig zu bleiben.“

Gleichzeitig sehe die Branche die Sorgen vieler Menschen, die die hohe Inflation im Geldbeutel spüren. „An der Tankstelle, im Supermarkt, bei den Nebenkosten - der Schuh drückt überall. Doch unsere Mitarbeiter wissen auch, dass die Unternehmen sie in den vergangenen Jahren in der Corona-Krise sehr gut behandelt haben.“ Trotz wegbrechender Produktion habe die Branche ihre Beschäftigung weitgehend gehalten und auch in den Krisenjahren etwas draufgelegt. „Fast fünf Prozent mit drei tariflichen Sonderzahlungen – und das Jahr für Jahr. Das sollte immer im Blick behalten werden, wenn man sich am Verhandlungstisch gegenübersitzt.“ Dies wird am 28. Oktober erneut der Fall sein.